My Tribe – Ein Experiment in “Social Collaboration”

Von Markus Röder – Initiator des Mentorship – Tribes

Als Trainer und Coach habe ich in den Jahren von 2013 – 2018 viel mit sozialen Veränderungsstrategien und Teamcollaboration in Unternehmen zu tun. Was ich erlebte waren erfolgreiche Veränderungen und neue Wege in der Teamzusammenarbeit. Aber auch manchmal der strukturelle Kollaps, als das “happy new work” nicht so funktionierte, wie die Teams sich das vorgestellt hatten. Als Trainer in diesen Themen bin ich da nicht alleine. Eine Generation von Menschen versucht gerade andere Formen der Zusammenarbeit zu initiieren, doch nicht immer ist die partizipierende Heterarchie die beste Lösung. Wenn man die Gesamtsituation des “new work” heute betrachtet, ergaben sich in den letzten Jahren trotzdem tiefgreifende Veränderungen des Teamworks und neue Formen der Zusammenarbeit. Mittlerweile gibt es auch neue Namen für diese Art der Zusammenarbeit. External Peer Reflection oder WOL.

Zeig was Du kannst und verbessere Dich

Auf einem Kongress habe ich das Prinzip des “working out loud” von John Stepper kennengelernt. Es ist eine Werte- und Prinzipien Sammlung und soll Menschen und Teams ermöglichen, Wissen besser zu teilen, indem man sich gegenseitig unterstützt und Anderen die Erkenntnisse weitergibt. Die neue Arbeitswelt (z.B. nach Niels Pfläging) braucht eine Form von sozialer Wertschätzung durch “Value Creation”. Das bedeutet, dass man sich spezialisiert und Meisterschaft in einem Thema erschafft und damit die Kompetenz der Entscheidung in einem Team allein dadurch übernehmen kann. Nicht Entscheidungen durch Hierarchien, sondern durch Wissen sind für Teams Erfolgsfaktoren geworden.

Anwendung auf Klienten und freie Netzwerke

Alles gut schön, doch in meiner Welt der freiberuflichen Helden, die selbstständig in kleinen Gruppen arbeiten, lose Netzwerke pflegen oder auf dem Weg in die Selbstständigkeit sind, ist das nicht so gut organisiert. Ich selbst pflege eine Gruppe die sich Erfolgsteam nennt und mit denen wir uns regelmäßig einmal im Jahr treffen und uns gegenseitig coachen. Doch das, was ich mir am meisten wünsche wäre ein soziales System, dass mich und mein Projekt begleitet, mir Feedback gibt und mit dem ich in meinem Wissen wachsen kann.

Und das dachte ich mit auch für meine Klienten. In meinem Coachings erarbeiten wir kraftvolle Lösungen und öffnen eine Tür, durch die man hindurchtreten kann. Aber genau das kostet manchmal auch viel Selbstverantwortung und Kraft. Und sobald es Hindernisse bei den Klienten gibt, steigt die Rückfallquote oder sie landen wieder bei mir. Dabei bin ich ein Fan von Kurzzeitcoachings und nicht von Menschen, die lange bei mir bleiben. Veränderung und Verantwortung braucht konkrete Schritte der Umsetzung. Auch dafür suchte ich etwas und erkannte, das eine Art eines virtuellen Mentorings – also eines sozialen Teams – das unterstützt und einen Blick auf die erarbeiteten Ziele hat, auch für meine Klienten sehr hilfreich sein kann. Oooops – und auch auch für mich. Und ahhh – auch für alle anderen Helden des Selbstständigen, Halb-Selbständigen oder freiberuflichen Arbeitslebens, die immer nur ihre eigene Sicht sehen und zu wenig Feedback für ihr Handeln bekommen.

Umsetzung

Für diese Menschen, die ohne Unternehmensnetz balancieren, habe ich mit einer kleinen Gruppe von 30 Personen eine virtuelles Testprojekt erschaffen. Der Arbeitstitel war “Mentorship Community”. Aber in der Entwicklung hat sich das zum Tribe  entwickelt. Ein Tribe ist ein Stamm, und irgendwie sind wir tatsächlich durch die gemeinsamen Aktionen zu einem Stamm zusammengewachsen. Halb virtuell. Manchmal auch in realen Treffen oder in einer Mischung treffen sich Menschen gemeinsam und nehmen Teil an einem Experiment des sozialen, persönlichen und auch kommerziellen Wachstums. Damit eine Arbeitsgruppengröße nicht zu groß wird , haben wir den Begriff der Clans eingeführt. Adlerclan oder Büffelclan geben einen Rahmen und definieren Clan-Kriterien der Zusammenarbeit. Ebenso haben die einzelnen Clans bestimmte Überthemen definiert. Beispiele der Clan Themen sind zum Beispiel:

  • Entwicklung eines eigenen Projekts, wie Buch schreiben o.ä.
  • Selbstständigkeit vorantreiben.
  • Menschen, die in Unternehmen sind, wollen Ihren Ausstieg in die Selbstständigkeit erschaffen.
  • Wachstum der Persönlichkeit, usw.

Dadurch entstehen psychologische Faktoren, die für Teams wichtig sind und anscheinend generelle Werte der Zusammenarbeit sind. Laut einer Google Forschung (Projekt Aristotle) sind folgende Faktoren für Zusammenarbeit wichtig:

  • Sinnhaftigkeit: Wir machen etwas für einen größeren Sinn
  • Psychologische Sicherheit: Fehler im Miteinander werden nicht übel genommen: Die Art des klaren aber respektvollen Feedbacks ist wichtig.
  • Zuverlässigkeit: Wichtig für den Clan und den gesamten Tribe sind klare Regeln in der Interaktivität. Dies ist der Knackpunkt aller Zusammenarbeit.
  • Struktur und Übersichtlichkeit: Es braucht für jeden, der dabei ist ein verständliches System, auf das er vertrauen kann. Wenn jedem sein Zeiteinsatz für das System klar ist, dann kann das eingeplant werden. Ausschweifungen ziehen oft Probleme nach sich.
  • Einfluss/Effekt: Wenn jemand seinem Ziel näher kommt und wir als Clan oder Tribe dazu beigeholfen haben, dann zeigt sich , dass unser Einsatz nicht umsonst war. Daher unterstützen wir Menschen auf Ihrem Weg.

Damit es für alle ein Anreiz ist, das Ziel, wirklich voranzutreiben gibt es alle halbe Jahre ein Fest, mit dem wir uns gemeinsam feiern. Dieses wird hauptsächlich real stattfinden, aber wir werden das auch veröffentlichen und somit das “working out loud” System aktivieren und Menschen sichtbar machen und damit Ihrem Erfolg näherbringen. Die Webseite MyTribe könnte dazu ein Medium sein. Soziale Anerkennung und der leichte Erfolgsdruck sind Bestandteil des Erfolgssystems. Denn dadurch entsteht Lernen. Das neuronale Netz entsteht und die Ausrichtung auf Erfolg bringt Menschen in einen anderen State. Durch die Regelmäßigkeit werden Nervenverbindungen gebahnt, welche die Teilnehmer immer mehr mit Ihrem Thema verbinden. Man wird, was man sein möchte. Denn der Wolf den man füttert, wird wachsen!

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